Am 20. April 2016 in der Ostfriesen-Zeitung

Im Park von Wietske Ebeltjes und Egbert Anema blühen Osterglocken und Tulpen. Foto: Klaus Ortgies

Egbert Anema und Wietske Ebeltjes haben aus einer Wiese in Weener ein Gartenparadies geschaffen. Die beiden Niederländer erzählen, warum der Luitzenpark ein „Park der zweiten Chancen“ ist.

Weener - Egbert Anema braucht keinen Fernseher. Ihm reicht sein „Großbildschirm“: Das riesige Panorama-Fenster im Wohnzimmer mit Blick auf den Garten in der Jelsgaste in Weeners Ortsteil Möhlenwarf bietet genug Unterhaltung. Der Tag beginnt für die Beiden immer mit einem Spaziergang durch den Park. Dort herrscht gerade Frühlingserwachen. Überall zwitschern Vögel, das erste zarte Grün treibt aus. „Wir können hier Hasen, Rehe, Eichhörnchen und unzählige Vogelarten beobachten“, sagt der 63-Jährige. Gemeinsam mit seiner Frau Wietske Ebeltjes hat er in den zurückliegenden acht Jahren aus der rund einen Hektar großen Wiese eine abwechslungsreiche Parklandschaft geschaffen, den „Luitzenpark“.

Fühlen sich in ihrem Luitzenpark wohl: Wietske Ebeltjes und Egbert Anema. Foto: Klaus Ortgies

„Luitzen ist mein zweiter Name“, erklärt Anema. Den Namen, auf Deutsch Lutz, mag er überhaupt nicht. „Um etwas Positives daraus zu machen, haben wir den Park so benannt.“ Den Zweite-Chancen-Park, nennt der Naturliebhaber ihn auch. Denn nicht nur sein verhasster Vorname, sondern auch viele Pflanzen bekommen hier eine zweite Chance. „Dieser Rhododendron zum Beispiel. Den haben Leute einfach zum Sperrmüll gestellt“, erzählt der Naturfreund. „In den Niederlanden können die Leute nach dem Fest ihre Weihnachtsbäume mit Ballen bei uns abgeben“, erzählt Anema, der bei der Gemeinde Leeuwarden als Gärtner arbeitet. Etliche übriggebliebene Tannen stehen nun in seinem Garten, unweit des Urweltmammutbaums der Gattung Metasequoia, der noch aus der Zeit der Hessebaumschule in Weener stammt.

Typisch Deutsch mit einem Augenzwinkern: Auch Gartenzwerge kann man im Park entdecken. Foto: Klaus Ortgies

Statt im Harz in Weener gelandet

Ursprünglich kommen die beiden aus Appelscha in der Nähe von Assen, eine naturnahe Gegend mit viel Wald. Warum hat es sie ausgerechnet nach Weener verschlagen? „Wir waren schon immer von Deutschland begeistert“, erzählt Wietske Ebeltjes. „Wir mögen die Ruhe hier. In den Niederlanden ist immer alles Tempo, Tempo“, sagt ihr Mann. In den Niederlanden sei der Sonntag wie ein gewöhnlicher Wochentag, sogar die Geschäfte hätten geöffnet. „In Deutschland geht es ruhiger zu. Das mögen wir. Die meisten Leute haben sonntags und an Feiertagen wirklich frei.“ Auch dass sich die Menschen im Rheiderland von 12 bis 15 Uhr weitgehend an die Mittagsruhe halten und auf lautstarke Arbeiten verzichten, ist ihm positiv aufgefallen.

Auch einen großen Teich gibt es im Luitzenpark. Dort ziehen regelmäßig Enten ihre Küken auf. Foto: Klaus Ortgies.

In ihrer ursprünglichen Heimat hatten die beiden zwar auch ein Haus mit Garten. Aber das lag direkt an einer Hauptstraße. Die beiden suchten aber die Ruhe. „Wir haben immer gesagt: Wenn wir Rentner sind ziehen wir in den Harz.“ Doch es kam anders. „Ein Bekannter hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass das Haus zum Verkauf steht“, erzählt Egbert Anema, „das Haus selbst brauchten wir gar nicht anzugucken. Nachdem wir das Grundstück gesehen haben, stand fest, dass wir es kaufen.“ Das Haus sei Nebensache gewesen. Und das ist es noch heute.

Viele stille Ecken mit unterschiedlichen Gestaltungselementen gibt es im Park zu entdecken. Foto: Klaus Ortgies

Wow-Effekt hinter unscheinbarem Haus

Das an der Straße Jelsgaste gelegene Haus wirkt eher unscheinbar. Im hinteren Bereich erleben Besucher einen Wow-Effekt. „Das Haus nutzen wir als Wohnraum für Besucher und Gäste“, erzählt Wietske Ebeltjes. Die beiden Niederländer haben es sich mit ihren drei Katzen und ihrer kleinen Hündin in der ehemaligen Scheune wohnlich gemacht, weil man von hier aus den Blick in den Park genießen kann.

Die Natur steht im Luitzenpark im Vordergrund. Es gibt nur wenig gestalterische Elemente. Foto: Klaus Ortgies

Dabei ist von hier aus nur ein kleiner Teil des Grundstücks zu sehen. Erst bei einem Rundgang erschließt sich die ganze Größe des Areals. Hier kann man absolute Ruhe genießen. Auf der einen Seite liegt der Friedhof, auf der anderen weiden Pferde und Schafe. Den Mittelpunkt bildet ein großer Teich. „Der war schon vorhanden“, erzählt Anema. Ansonsten hat er das meiste selbst angelegt. „Ohne Maschinen“, betont der Gärtner und ist darauf auch ein bisschen stolz, „die einzige Ausnahme ist der Rasenmäher.“

Regelmäßig öffnen die beiden den Park auch für Besucher. „Wir hatten sogar schon eine Gruppe hier, die mit dem Bus angereist ist.“ Auf der Internetseite „Het Luitzenpark“ können Gartenfreunde das kleine Paradies mit vielen Fotos durch alle Jahreszeiten begleiten. nsgesamt drei verschiedene Baumrouten kann man im Park erkunden. Unter anderem können Besucher spirituelle Bäume oder das keltische Baumhoroskop entdecken. Es gibt immer besondere Aktionen, wie das Lichterfest im Winter oder der Besuch von Eulen und Greifvögeln. Von Mai bis September gibt es jeden Monat einen Tag des offenen Gartens, der immer mehr Naturfreunde anzieht. „Es sind allerdings eher Besucher von außerhalb als Nachbarn“, erzählt Wietske Ebeltjes.

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